Zwischen Leben und Tod: Sebastian, 16 Jahre

Auf der Suche nach einem guten Weg bezog das Klinikum Kassel das Heilhaus mit seinen Möglichkeiten ein. In Gesprächen mit dem Vater, mit VertreterInnen aus Medizin, Pflege, Sozialarbeit, Psychologie und Heilhaus wurde schnell deutlich, dass Vater und Sohn mehr als eine barrierefreie Wohnung benötigen. Ein tragendes Netz sollte entstehen.

Für ein solches Netz mit einer gesamtheitlichen Begleitung braucht es einen Ort, wo Unterstützung zusammengeführt wird – ein Lebensmodell wie das Heilhaus.


Im Mehrgenerationenhospiz
Sebastian wurde im Mehrgenerationenhospiz aufgenommen. Die Lebensgrenze zeigt sich bei ihm in starken Krämpfen und hohem Fieber, immer wieder aktiviert sich der Schock des Unfalls. Um zu entspannen, sind Klänge, mit denen er von einer Musiktherapeutin begleitet wird, eine große Unterstützung.

Jede Berührung vollziehen wir sehr bewusst und sind achtsam darin, worauf Sebastian resonniert. Zusammen mit der „Schule für schwerkranke Kinder und Jugendliche im Heilhaus“ wird er in der Weise gefördert, dass er sich beispielsweise über das Zwinkern der Augen verständigen kann.


Fließende Übergänge schaffen
Während Sebastian im Hospiz war, wurden die neuen Rahmenbedingungen für das Zusammenleben von Vater und Sohn geschaffen. Eine behindertengerechte Wohnung der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft GWG der Stadt Kassel – mit dem Heilhaus in der Nähe - wird das neue Zuhause.

Das Team des ambulanten Pflegedienstes des Heilhauses und die Krankengymnastin lernen Sebastian, seinen Pflegebedarf und das Familiensystem kennen. Auch die Schule wird zu einem tragenden, verlässlichen Ort. Der Übergang in das Leben mit dem Vater in der neuen Wohnung wird machbar.


Dasein für die Angehörigen - erweiterte Hospizarbeit
Mittlerweile gibt es fließende Übergänge: Sebastian kommt ins Hospiz, wenn das Leben im häuslichen Umfeld schwierig wird. Hier kann der Vater bei ihm sein, so wie es für ihn gut ist. Er übernachtet bei seinem Sohn oder übernimmt Aufgaben in der Pflege – und er darf gehen, wenn er Zeit für sich selbst braucht.

Oft begleitet der Vater Sebastian im Rollstuhl durch die Siedlung am Heilhaus. Es entstehen nachbarschaftliche Kontakte und das Heilhaus bietet professionelle Gespräche, so dass er den Schock über das Geschehen langsam verarbeiten kann. Durch die erweiterte Hospizarbeit und die individuelle, professionelle Unterstützung kann Sebastian zeitweilig bei seinem Vater leben. Vielleicht kommt der Moment, wo er in eine Einrichtung verlegt werden muss – wir wissen es nicht. Solange bieten wir Vater und Sohn Raum, das Leben zu ordnen, das Geschehen zu verarbeiten und es annehmen zu lernen.




 

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